Trading mit Saisonalitäten

Mithilfe von saisonalen Chartmustern – Indices, Aktien, Forex oder Rohstoffe profitabel traden

Wer sich erfolgreich an den Finanzmärkten behaupten will und gegenüber seinen Konkurrenten einen Informationsvorsprung haben möchte, der sollte auf solide Statistiken zurückgreifen können.

Die rudimentärste und am leichtesten verständliche Form eines saisonalen Charts ist der Temperaturverlauf eines Jahres in Mitteleuropa, beispielsweise in Deutschland. So weiß bereits jedes Kind, dass es in den Sommermonaten hierzulande eher wärmer ist und zum Winter hin immer kälter wird. Eine statistische Regelmäßigkeit, die sich Jahr für Jahr wiederholt. Doch wie können wir das Ganze für das Trading nutzen?

Auch an den Finanzmärkten gibt es immer wiederkehrende Trendmuster, die sich Jahr für Jahr wiederholen und auswerten lassen. Die Existenz dieser saisonalen Muster ist nicht zwingend auf die Temperatur zurückzuführen, obwohl diese bei Agrarrohstoffenn wie Weizen, Orangensaft oder Mais natürlich durchaus Auswirkungen auf die Saisonalität hat. So müssen sich beispielsweise Unternehmen rechtzeitig mit Heizöl oder Benzin eindecken, bevor der Winter beginnt, die Härte des Winters hat neben den aktuellen Fördermengen dann auch Auswirkungen auf die Saisonalität im Ölpreis des Folgejahres.

Aber Saisonalitäten treten nicht nur jahreszeitlich bedingt auf, auch steuerrechtliche Aspekte wirken sich auf den Verlauf von Währungen aus. Hinzu kommt, dass Saisonalitäten aus einigen Anlageklassen wiederum den Kursverlauf von anderen Anlageklassen regelmäßig messbar beeinflussen, wodurch eine Korrelation zwischen diesen Werten auftritt, die man beobachten, auswerten und traden kann.

In vielen Fällen ist der Grund für die Saisonalität auch gar nicht bekannt. Muss er uns überhaupt interessieren? Nicht zwingend. Wenn man ein jährlich wiederkehrendes Chartmuster entdeckt, kann man es für sich nutzbar machen, solange es funktioniert. Auch Einzelaktien weisen oftmals erstaunlich starke Saisonalitäten auf, was mit stärkeren und schwächeren Absatzmonaten zusammenhängt.


DAX – Seasonales Muster

Gibt es typische Muster für die Tagesänderung des (F)DAX in Abhängigkeit davon, ob wir in einem Bären- oder Bullenmarkt sind? Als Tagesänderung soll nun die prozentuale Änderung zwischen Börseneröffnung um 8 Uhr und Börsenschluss um 22 Uhr betrachtet werden. Das Ergebnis ist verblüffend:

Dax Relative Kursbewegungen nach Wochentagen

Jetzt erkennen wir sofort einen markanten und eindeutigen Zusammenhang. In einem Bullenmarkt steigen die Kurse am Montag, Donnerstag und Freitag, während die Kurse am Dienstag und Mittwoch eher fallen. In einem Bärenmarkt ist es exakt andersherum. Wer also ein Kaufsignal in einem Bullenmarkt sucht, sollte eher am Ende einer Woche einsteigen und den Dienstag auf jeden Fall meiden. Die Frage des „warum“ ist natürlich spannend, aber für uns reine Spekulation. Hier könnte man bestimmt tolle Stories schreiben, interessanter ist jedoch: kann man diesen Wahrscheinlichkeitsvorteil jetzt auch unmittelbar in einen Gewinnvorteil überführen?

Hier können wir jetzt eine einfache Rechnung nach festen Regeln machen und dann mit den historischen Daten eine Gewinnrechnung durchführen. Wenn der Eröffnungskurs an einem Tag oberhalb des EMA80 des Vortages liegt (=> Bullenmarkt) und wir z.B. einen Montag haben, wird eine Longposition eröffnet und am Ende des Tages geschlossen. An einen Dienstag würde man ein Shortposition zur Eröffnung kaufen (in einem Bullenmarkt) und ebenfalls wieder am Ende des Tages verkaufen. Wendet man diese einfache Regel auf die historischen Daten an, erhält man die folgende Aufsummierung der FDAX Punkte.

DAX Punkte nach Regelwerk

In Summe hätte man somit in 14 Jahren knapp 14000 FDAX Punkte eingesammelt. So wurde also aus einem Wahrscheinlichkeitsvorteil ein echter Gewinnvorteil. In einer genaueren Betrachtung würde man jetzt noch den realen Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) berücksichtigen und sicher auch noch einen Stop-Loss für die einzelnen Trades definieren. Das Grundsystem ist jedoch bestechend einfach und bietet noch zahlreiche Optimierungsmöglichkeiten.


Viel Spaß beim Traden!
Bild und Quelle: godmode-trader.de & devisen-handeln.org

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